Kreuz und quer, rauf und runter durch Gechingen



Reine Gehzeit ca. 1 1/2 Stunden, mit ortsgeschichtlichen Erklärungen entsprechend länger.
Gutes Schuhwerk wird empfohlen. Treffpunkt beim Museum Appeleshof.

Vom Appeleshof  zur Calwer Straße, dann Fußwegle hoch zum Käppelesberg.
Haus Kühnle, Calwer Str.22 (früher im Eigentum der Gemeinde) :
Es wurde 1846 vom königlichen Notar und Schultheißen Pregizer (1846-1848) erbaut. 1866 kaufte es die Gemeinde und nutzte es als Wohnhaus für Lehrer, Förster, Postschaffner und als Arztpraxis. Erster Mieter war Mittelschullehrer Büttner, als ein Mittelschulzug in Gechingen  eingerichtet wurde. (siehe Schule)

Haus Wagner, Zweibotthaus:
Hier wohnte der Zweibott - so genannt, weil er jeden Tag um 2 Uhr nach Calw ging um Post usw. zu holen. Später fuhr er mit einer leichten Kutsche und nahm auch Leute mit. Das Haus steht auf dem ehemaligen Weinkeller des Gasthauses "Hirsch", erbaut 1793. Im letzten Krieg wurde der Keller als Luftschutzkeller benützt.


Dort Treppchen am Haus Gehring hoch zur Calwer Straße.
Sudhaus neben der Krone:
Es wurde 1883 erbaut. Vorher stand hier die Ziegelhütte von Samuel Vetter, der im heutigen Gasthaus “Krone” wohnte. Im Sudhaus wurde Bier gebraut. Das Hopfenhaus stand schräg gegenüber, dort trocknete und lagerte der Hopfen. 1954 wurde es zum Wohnhaus umgebaut. Die Ziegelhütte entstand neu in der Gültlinger Straße. Neben Ziegeln wurden auch Kalk und Kohlen verkauft.





Über die Straße in den Gailer, vor bis Wieselweg, dann links den Eichhörnchenweg runter zur Uhlandstraße.
Hier befand sich der alte Schuttplatz der Gemeinde. Der Platz wurde während der Hitlerzeit als Festplatz genutzt. Heute ist hier ein Regenüberlaufbecken.

Überqueren der Uhlandstraße, runter in die Wolfswiesen.
Das ganze Wiesental gehörte dem Pfarrer und diente seiner Familie als Existenzgrundlage. Es wurde “Das Widdum” genannt.

Über den Friedhof bis zur Calwer Straße.
Früher war der Friedhof bei und um die Kirche, erst gegen 1730 wurde er hierher verlegt, 1814 erweitert,
(Stein mit Jahreszahl in der Mauer unten am Fußweg). Weitere Erweiterungen: 1964, 1979, 1989 und 2000.
Bei der Erweiterung 1814 sollte er nur mit einer Hecke umrandet sein, so die Anordnung aus Calw. Die Gechinger setzten aber eine Mauer durch mit der Begründung: "Da könnten die Wölfe ungehindert unsere Toten ausgraben." 1965 Einweihung der Leichenhalle und des Ehrenmales für die Bombenopfer des 20.April.1945.

Auf dem 1987 renovierten Grabstein aus dem Jahr 1827 steht:
"Hier ruht die zerschlagene Hülle des schnell endenden Mitbürgers Johannes Michael Gehring, geschehen den 19.April 1827.
Nicht weit von dieser stillen Stätte,
wo mein zerschlagener Körper ruht

fand ich ein schnelles Sterbebette
durch eines scheuen Tieres Wut.
Am gleichen Tag ging es zu Ende,
kam doch mein Geist in Gottes Hände.
Seinem ihm unvergessenen Vater und dem neben ihm ruhenden Kinde
in Liebe dein dankbarer Sohn, welcher dich wieder sehen wird im Jenseits Gottes.

Leichentext von Vikar Klinger, entnommen den Klageliedern Jeremia im 3. Kap. Verse 4 und 24. Ich bin ein elender Mann usw."
Weiter befinden sich auf dem Friedhof die Gräber der Schultheißen-Familien Ziegler und Schumacher.
Die Grabplatten von Pfarrer Klinger aus den Jahre 1830 und von Lehrer Georg Andreas Hartmann 1788-1831) sowie von Schultheiß Johannes Georg Kappis geb.1787, sind stark verwittert.
Hier steht das Ehrenmal für die Toten des Luftangriffs vom 20.4.1945. Ein Franzose, der ebenfalls bei dem Bombenangriff ums Leben kam, wurde in sein Heimatland überführt.


Über die Kirchstraße zur Kirche und zum Kirchhof.

Ehrenmal:
Am 2.Juli 1922 wurde es für die Gefallenen des 1. Weltkriegs aufgestellt. Ursprünglich sollte es bei der Marienlinde erstellt werden, was wegen Verkehrsproblemen aber nicht möglich war. Gestaltet wurde das Ehrenmal von Bildhauer Gläser, Stuttgart.
Bei der Einweihung des Denkmals soll der damalige Pfarrer ein altes Weiblein gefragt haben, ob sie wisse, was der springende Hirsch bedeute.. "Ja", meinte sie, "des weiß i, weil unsere Soldaten vor den Feinden davon gesprungen sind". Tatsächlich soll der Hirsch unser Land Württemberg symbolisieren, welches drei Hirschstangen im Wappen führt.


Kirchplatz:
Einst befand sich hier im so genannten "Zwingelhof" das Kornhaus des Abtes von Herrenalb. Es brannte 1759 ab und wurde nicht mehr aufgebaut. Später wurde hier das erste Spritzenhaus der Gemeinde errichtet. Der Name "Zwingelhof" bezeichnete einen von Mauern umgebenen Platz, welcher der Verteidigung diente. Die Mauern waren teilweise mit Schießscharten versehen. Hierher und in die Kirche zogen sich die Dorfbewohner bei Angriffen als letzten Zufluchtsort zurück.
Kirche:
Unsere Martinskirche verdankt ihren Namen dem Schutzpatron der Franken, dem Heiligen Martin. Sie wird um 1329 erstmal erwähnt. Nach den ältesten Unterlagen war Gechingen mit Kapelle in Deufringen eine Plebania. Der Plebanus, Leutepriester, musste sich mit dem Einkommen begnügen, das ihm die eigentlichen Besitzer der Pfarrei, Klöster oder Stifter, auswarfen. Im Staatsarchiv in Stuttgart liegen unter den Akten des Klosters Herrenalb Pergamente in lateinischer Sprache. In einer Urkunde vom 23. 4. 1404 heißt es: "Vorgeschlagen wird Heinrich Durhubel, Pfarrer in Gechingen von den Brüdern Konrad und Heinrich, Truchsessen von Waldeck."
Die Gechinger Kirche wird in alten Dokumenten 1428 ein weiteres Mal erwähnt.
1876 wurde der Turm um 11 Meter auf die heutige Höhe aufgestockt. Der Dachdeckermeister machte zum Abschluss seiner Arbeiten auf der Kirchturmspitze einen Handstand.
An dem Blitzableiter, der außen am Turm nach oben führt, kletterte früher die Dorfjugend spaßeshalber hoch, was vielen eine Tracht Prügel eintrug.
Am Turm steht:
"Anno 1561 im Monat April ist dieser Turm durch einen Blitz vom Himmel getroffen und bis zur Hälfte gespalten und endgültig im Jahre 1568 ist die im gleichen Jahr begonnene Erneuerung vollendet worden."
An der Südseite des hinteren Eingangs: "Zu Ehren des heiligen Martin ist diese Kirche im Jahre des Herrn 1481 geweiht worden. Heinrich Wieland
Steinhauer, Berthold Dieringer, Pfarrer." In der Mitte befand sich das badische Wappen, das später abgeschlagen wurde.
Über dem südlichen Haupteingang ist zum Abschluss einer großen Baumaßnahme eine Sandsteinrose mit der Jahreszahl 1743 eingesetzt. Nach alten Unterlagen sollen zur Einweihung 2000 Menschen hierher gekommen sein.
Der Taufstein trägt am Fuß das Zeichen des Steinmetzmeisters Wieland.  Im Treppenhaus steht ein alter Grabstein, der früher als Bodenplatte vor dem Altar lag. Er hat die Inschrift: "Anno Domini 1481 starb Berthold Dieringer alten Bulachs Bürger, geboren 1400. Seine Seele ruhe in Frieden."
Vom Geläut aus dem Jahre 1495 hängen noch zwei Glocken im Turm. Auf der Größten steht: "Osanna heiss ich, in unserer Frauen Ehr läut ich. Bernhard Lachamann goss mich 1495". Die Inschrift der mittleren Glocke lautet: "Jesus Nazarenus, der Juden König. Bernhard Lachamann goss mich 1495." Auf der Kleinsten, die 1918, im letzten Jahr des ersten Weltkrieg für Munitionszwecke abgegeben werden musste, stand: "Hilf Jesus Maria. Bernhard Lachamann goss mich 1495."
Diese Glocke musste man im Turm in Stücke schlagen, weil sie zu groß war um sie zum Schalladen hinaus zu werfen.
1923 wurde diese Glocke durch eine neue ersetzt, auf der stand: "Hilf Herr, aus dieser Not. Die Gemeinde Gechingen." Sie ereilte im 2. Weltkrieg das gleiche Schicksal - auch sie wurde für Munitionszwecke gebraucht.
Die 1950 neu angeschaffte Glocke hat die Inschrift: "Hilf Herr aus großer Not, gegossen ward ich in schwerer Zeit, um die gefallenen Helden trage ich Leid." Sie verrichtet bis heute ihren Dienst.
Den Bühnenboden über der Kirche vermietete man einst zum Hopfentrocknen.
Bei der Totalrenovierung 1953 kamen übermalte und mit Holz abgedeckte Bildtafeln zum Vorschein, die man teilweise sicherstellte und dann vergaß. 1985 wurde Teile davon zufällig von Fritz Roller entdeckt, sie wurden renoviert und hängen jetzt im Ev. Gemeindehaus.
1522 hat die Kirche einen Altarschrein oder Flügelaltar besessen, von dem noch je eine Figur im Sindelfinger Heimatmuseum und im Landesmuseum Stuttgart zu sehen ist, es handelt sich um die Heiligen Martin und Petrus.
Die Orgel stammt aus dem Jahr 1875, es existieren aber bereits 1751 Hinweise. Vorher war die Orgel auf einer Empore über dem heutigen Altar angebracht. Eine Treppe an der linken Seite führte nach oben. Unter der Empore saßen die Schüler und Konfirmanden. Der Altar befand sich mehr in der Kirchenmitte.


Ev. Gemeindehaus (alte Schule):
Hier stand bis 1983 das Schulhaus, erbaut 1834. Es war für die damalige Zeit ein großes und modernes Gebäude, welches das noch ältere an das Rathaus angebaute Schulhaus ersetzte. Den Zeitpunkt des ersten Schulunterrichtes in Gechingen können wir nicht mehr feststellen.  Das älteste Dokument über einen Lehrer und somit über die Schule in unserem Ort stammt vom 10. 3.1581 und lautet kurz : "Altschulmeister Hans Anmersch stirbt." (Im Jahre 2006 - 425 Jahre Gechinger Schule)
Wie bereits anfangs erwähnt, hatte die Gechinger Schule von 1866-1890 einen Mittelschulzug, der von vielen auswärtigen Schülern, die zum Teil aus der Schweiz stammten, besucht wurde.
Die Mittelschule diente zur Vorbildung für den Besuch des Lehrerseminars in Nagold.


Weiter durch die Brunnenstraße, am Feuersee zum Haus Wittel und zur Furthstrasse.
Haus Böttinger:
Im Keller ist eine dauernd fließende Quelle. Auch als die Wasserleitung fertig war, holte man hier immer kühles, frisches Wasser. Die Quelle ist heute in einem Schacht, nicht mehr sichtbar und auch nicht mehr als Trinkwasser zu verwenden.
Feuersee:
Aus dem Fundament der nebenstehenden Scheuer fließt eine starke, aber nicht ausdauernde Quelle. Sie speiste den Gänsegarten, der sich an Stelle des Feuersees befand, und den dortigen Bernbrunnen mit zwei eisernen Pumpschwengeln. Außerdem versorgte diese Quelle bis 1952 den Rohrbrunnen (Standort beim heutigen Sparladen) über eine im Bach verlegte Teuchelleitung aus Holz, später aus Gusseisen. Früher tränkte man hier an der Scheuer das Vieh, dabei kam es zum Streit, wem der anfallende Mist gehöre.
Die Gemeinde vergab dann den Dung an den Meistbietenden gegen eine jährliche Gebühr.
Auf dem Grund des Feuersees befinden sich mehrere kleinere Quellen. Beim Bau des Beckens wurden alte Eichenbalkenfundamente gefunden, die zu dem um 1560 erwähnten Badhaus und späteren Färberhäuschen gehörten.

Putzerei u. Viehwaage:
Dieses sehr alte Haus, schon um 1560 erwähnt, hat als Waschhaus gedient. Die anfallende Asche versteigerte man öffentlich als Dünger oder Waschmittel. Drei eingebaute Kessel und eine Bank in der Mitte waren die ganze Einrichtung.
Das Waschen und Kochen der Wäsche zu Hause war wegen Feuergefahr bei Strafe verboten. 1936 stellte man die erste elektrische Waschmaschine auf. Das Gebäude wurde um 1868 auch als Mosterei benutzt.
Bei einem der früher recht häufigen Hochwasser wurden einige Waschfrauen im Gebäude von den Fluten überrascht und eingeschlossen. Ein Lehrer brachte sie einzeln auf seinem Rücken in Sicherheit. Dabei holte er sich eine Lungenentzündung und musste seine gute Tat mit dem Leben bezahlen.
In der Scheuer befinden sich zwei Keller: Ein Keller wechselte im Hungerjahr 1815 für einen Laib Brot seinen Besitzer. Pflugzeichen am Eingang.

Kasernenhof:
Verdankt seinen Namen der früheren rechteckigen Bebauung. Das Eckhaus war um 1780 Wohnhaus (Ausdinghaus). Im Innern sind noch die alten Treppen vorhanden sowie die niedere Balkendecke mit Aussparungen für Lehmwickel.
Auch hier handelt sich mit Sicherheit um einen im Mittelalter genannten Hof, der von einem dem Klosteramt Merklingen zinspflichtigen Bauern und seiner Verwandtschaft bewirtschaftet wurde.



Weiter bis zur Dachteler Straße, rechts zum Hahnenberg.
Am Haus Kappis runter auf die Irmstraße.



Das Gässle hoch, nach rechts in den Hof der Familie Petzsche, links das Treppchen rauf in die Gartenstraße.
Dieses Gässle heißt so, weil es vor dem großen Brand 1882 tatsächlich ein krummes Gässle war.
Bei der Neubebauung wurde aus dem Gässle eine Straße.






Überqueren der Gartenstraße und Fußwegle zur Kreuzstraße.
Die Kreuzstraße war vor 1882 die Hauptstraße nach Böblingen.

Nach links zur Calwer Straße, am Volksbankgebäude vorbei, am Haus Haag den steilen Fußweg hoch zur Angelstraße.


Über den Schulweg hoch bis zur Schule und über die Wiese zu den Ziegen.



Weiter geht es den Schlehenweg entlang, dann links zu der Treppe an der Althengstetter Straße.
Dieser Teil der Angelstraße wird auch als “Millionensträßle” bezeichnet, weil der Bau der Straße in der Inflationszeit einige Millionen gekostet hat.






Treppe runter, überqueren der Althengstetter Straße, weiter zur Treppe Richtung Kirchberg, den Schießrain vor bis zum Kreisverkehr.
Im Schießrain übten früher die Bürger mit Armbrust und Musketen. Der steile Hang diente als Kugelfang.



Danach wieder ins Wohngebiet Gailer. Den Wieselweg vor, bis zum Fußweg links runter zur Silcherstraße weiter abwärts zum alten Stammheimer Weg.
Wie schon der Name sagt, war dieser Weg früher die Verbindung nach Stammheim und Calw.




Dann nach links in den Wolfswiesenweg.



Diesen entlang bis zur Kirchstraße und zum Ausgangspunkt Appeleshof.

Haus Bühler, Kirchstr. 2
Die Inschrift am Eckbalken lautet:
"1750 erbaut und 1842 renoviert. Jakob Martin Gehring und seine Hausfrau Christine Kathrin. Ach Gott, bewahre dieses Haus und alle die gehn ein und aus."
Darunter ist eine Pflugschar als Sinnbild eines Bauernhofes zu sehen. Der anschließende Hof heißt Appeleshof.
Der Name kommt von Appell, was beim Militär Antreten bedeutet. In Gechingen fanden im alten Rathaus die Musterungen und Aushebungen zum Militärdienst auch der umliegenden Ortschaften statt.
Da bot sich der Hof zum Antreten der Mannschaften geradezu an.
Auch hier handelt sich mit Sicherheit um einen im Mittelalter genannten Hof, der von einem dem Klosteramt Merklingen zinspflichtigen Verwalter und seiner Verwandtschaft bewirtschaftet wurde.
Das Museum wurde nach diesem Hof benannt.