Rundgang durch das Museum Appeleshof in Gechingen

Die Feuerwehr

Das Hydrophor aus dem Jahre 1834 war eine mit 2-4 Pferden bespannte Feuerspritze, an der 2 Gruppen von je 8 Mann wechselweise pumpten. Das Wasser wurde zuerst mit Butten und Eimer hergeschafft, dann in die Trichter geschüttet. Später konnte man auch mit einem Schlauch aus den Hydranten Wasser holen und durch den Druck aus der Leitung entfiel das Pumpen. Die Spritze ist ziemlich klein, man kann sich vorstellen, dass die Wirkung entsprechend gering war.

Die Ortsgeschichte

Auf 30 Bildtafeln ist die Ortsgeschichte nachzulesen, von den ersten Erwähnungen Gechingens über die Schultheißen bis heute. In der Vitrine befinden sich 5 Fleckenbücher aus der Zeit von 1547-1747 als älteste schriftliche Belege der Ortsgeschichte. Die ersten stammen noch aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg. Einige alte Gebetbücher, Münzen und Geldscheine sind in der Vitrine zu sehen. Das alte Stehpult des Schultheißen mit Glocke, Tintenfass und Löscher ist gleich daneben. Verschiedene Ehrenurkunden und Diplome hängen an den Wänden.

Das Schlafzimmer

Die Betten wurden 1885 anlässlich der Hochzeit von Gottfried Schwarz u. Rösle Riehm angefertigt. (Haus Anneliese Gehring, Brunnenstr.) Die Einsätze der Kissen häkelte um 1912 Marie Gehring.
Der Waschtisch stammt von Viktor Weiß aus den 30er Jahren. Die Kleiderschränke wurden zwischen 1850-1930 hergestellt. Im Weißzeugschrank lagert eine Menge selbst gesponnener Wäsche. Die gestickten Sprüche waren früher der Stolz der Hausfrau. Es gab sie in verschiedenen Ausführungen. Das eiserne Kinderbett von 1920 wurde mit Bettwäsche aus alten Stoffen ausgestattet. Das Taufkissen war selbstverständlich wichtig, mit auswechselbaren Bändern, rosa für Mädchen und blau für Jungen.

Das Wohnzimmer

In vielen Wohnzimmern, Stube genannt, stand ein Klavier. "Die Gechinger hen a Klavier en dr Stub oder a Goass em Stall" spotteten Bewohner der Nachbardörfer. Auf der schönen Kommode (1919) von Viktor Weiß stehen Bilderrahmen aus verschiedenen Zeiten. Sie zeigen Frau Rieker geb.Dürr, Frau Morgenthaler und Viktor Weiß mit Frau Paula.


Die Küche ist noch ausgestattet wie im Jahre 1920, mit Herd, Spüle und verchiedenen Geräten.

Hausgeräte


Fleisch und Wurstverarbeitung, Brotbacken, Butter- und Käseherstellung, Kraut einschneiden, Beeren pressen und Bienenhaltung. Die Bauern waren Selbstversorger.


Im Kinderzimmer sind Puppen und altes Spielzeug zu sehen, im Schrank hängen Kleidungsstücke aus früheren Zeiten.


Früher wurde viel mehr Handarbeiten wie Stricken, Klöppeln, Sticken und Häkeln hergestellt. Mädchen bekamen in der Schule extra Unterricht dafür. Wir haben eine Auswahl verschiedener Arbeiten ausgestellt.

Spinnen


Der angebaute Flachs wurde in mehreren Arbeitsgängen verarbeitet und dann zu Garn gesponnen.


Am Webstuhl verarbeitete man das Garn zu Tuch. Selbstgesponnenes Leinen war der Stolz der Bauersfrau. Eine mit Leinen gefüllte Truhe gehörte zu jeder Aussteuer.


Der Tante Emma-Laden erinnert an die Zeit vor den Supermärkten. Aus vier ehemaligen Läden wurden Reste der Einrichtungen zusammen gestellt.


Das Fotoatelier mit Originaleinrichtungsgegenständen von Otto Weiss stammt aus dem Jahre 1904. Viele Foto-Platten sind erhalten und wertvolle Zeugnisse der Gechinger Vergangenheit.


Das Schneideratelier ist ebenfalls mit Originalgegenständen eingerichtet. Von der Ankleidepuppe über Knöpfe und Stoffsortimente, Nähmaschinen und Bügeleisen ist alles vorhanden.


Die Schuhmacherwerkstatt nimmt einen großen Raum im Museum ein. Sie wurde dem Museum von Karl Dingler komplett überlassen. Schuhe, Leisten, Leder und Maschinen sind zu sehen.

Das Mosten


Im Herbst nach der Obsternte begann in den Bauernfamilien das Mosten, früher eine zeitaufwändige Arbeit. Die zerquetschte Obstmasse kam mit Wasser zusammen in die Presse.
Aber dieses Getränk durfte in keinem Haus fehlen. In den letzten Jahren ist die Beliebtheit des Mostes wieder gestiegen und hat sich vom "Arme Leute Getränk" zu einem gesunden und natürlichen Durstlöscher entwickelt.

Das Waschen


Eine schwere Aufgabe für die Frauen war früher auch das Wäschewaschen. Es begann mit dem Einweichen der Wäsche am Abend zuvor. Statt Einweichmitteln wurde Holzasche in ein Tuch gefüllt und Wasser darüber gegossen.
Im Lauf der Jahre wurden verschiedene Maschinen erfunden um die Wascharbeit zu erleichtern. Angefangen beim Wäschestampfer über von Hand drehbare Waschtrommeln aus den Jahren um 1910 und japanischen Wäschekugeln aus den 50er-Jahren bis zur elektrischen Waschmaschine von 1938.
Früher wurde das Wasser mit dem Tragejoch, an dem die Eimer hingen, vom Brunnen geholt. Eine Besonderheit ist die "Stehbrunzhose", die an der Wäscheleine hängt.

Die Kirchturmuhr


Die Gechinger Pfarrbeschreibung von 1827 stellte fest: "In dem Turm befindet sich eine Uhr, welche Viertel und Stunden schlägt." Dies gilt als ältester Hinweis auf eine Kirchenuhr in Gechingen.
Im Jahr 1928 wurde eine neue Kirchenuhr angeschafft, die als wichtigen Fortschritt einen elektrischen Aufzug hatte. Dem Mesner ersparte man damit die Mühe des täglichen Aufziehens. Die Kosten dieser Uhr, die die Firma Perrot aus Calw lieferte, beliefen sich auf RM 5.228. Diese Uhr steht jetzt bei uns im Museum, Herr Claus Schwarz hat sie dankenswerter Weise wieder in Gang gesetzt.

Die Tracht


Leider musste man feststellen, dass in Gechingen das Trachtentragen schon sehr früh abhanden kam (ca. 1840) und später nur noch Teile davon aufgetragen wurden. Wir zeigen ein Trachtenpaar in Originalkleidung.

Landwirtschaftliche Geräte.


Der Erntewagen war das wichtigste Gerät. Der einfache Aufbau mit Boden- und Seitenbrettern wurde zum Mistführen, Futterholen, zur Rüben- und Kartoffelernte, Holzfahren oder für sonstige Fahrten benützt. Mit Gatter versehen diente er zur Heu- und Getreideernte.

Feldgeräte:


Mit der zweizinkigen Garbengabel mit langem Stiel belud man die Garbenwagen. Die dreizinkige Heugabel, ebenfalls mit langem Stiel benutzte man beim Heu aufladen. Die kleinere dreizinkige Gabel wurde zum Gras- und Heuzetteln auf den Wiesen gebraucht.
Die Mistgabel mit kräftigem Stiel brauchte man zum Misten und Mist aufladen. Die Mistverrechgabel, dreizinkig und ganz aus Holz, wurde nur zum Mist verrechen benutzt. Mit der drei- oder vierzinkigen Antraggabel wurde die gemähte Frucht zu Garben angetragen.


Zum Putzen des Getreides brauchte man die Putzmühle oder Windfege, die das Spreu vom Weizen trennte. Gemessen wurde das Getreide mit der Simmere, ein altes Maß, drei davon mit Weizen gefüllt ergaben einen Zentner. Abgefüllt in Säcke, die den Namen des Bauern trugen, kam das Getreide in die Mühle.